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Frau Klein's Fledermausfreundliches Haus
16.07.2010

NAJU Frankenberg
Frau Klein aus dem Hommershäuser Weg in Frankenberg hatte vor zwei Wochen angerufen und sich über die Fledermäuse an ihrem Dach beklagt. Sie hatte richtig Angst vor den Tieren, die dort leben und auch eine Menge Kot hinterlassen. Wir sind an einem Abend hingefahren und haben das Quartier unter dem Streichbalken im Dachgiebel besichtigt. Es liegt direkt über einem Fenster, da auch mit Urinspritzern verschmutzt ist. Auf der Fensterbank liegen viele schwarze Kotkrümel. Wir haben Frau Klein aufgeklärt, dass Fledermäuse nicht am Holz nagen und auch nicht ins Zimmer kommen. Der Kot ist sehr gut als Blumendünger geeignet. Die Zwergfledermäuse haben dort zur Zeit ihre Wochenstube und ziehen ihre Jungtiere auf. Mit einer Taschenlampe konnten wir sogar in den Spalt hinein leuchten und ihr die Tiere zeigen.
Anschließend haben wir im Garten mit Bat-Detektoren den Ausflug beobachtet. Es flogen 51 Tiere aus. Frau Klein war mittlerweile von ihren Untermietern begeistert. Falls in den nächsten Jahren die Dämmung des Hauses ansteht, will sie auf das Fledermausquartier Rücksicht nehmen. Sie holte auch ihr drei Monate altes Kind zur Fledermausbeobachtung in den Garten.
Wir haben ihr anschließend ein Leuchtfledermaus sowie Infomaterial übergeben. Das Haus haben wir als fledermausfreundliches Haus vorgeschlagen und vom NABU-Landesverband eine Woche später das Auszeichnungspaket erhalten. Diese haben wir am Freitag, 16. Juli verliehen. Der Aufkleber zur Aktion Fledermausfreundliches Haus klebte zu dieser Zeit von mitten an der Haustür. Unser Mitglied Mati Marciniak übergab die Plakette, das Buch und die Urkunde an die stolze Hausbesitzerin mit Fledermausquartier.


Die Aktionsidee:

www.fledermausfreundliches-haus.de

In der heutigen Landschaft fehlen den Fledermäusen ihre natürlichen Quartiere. Dabei gibt es unter den Fledermäusen jene, die Baumquartiere und ähnliche Behausungen bevorzugen und solche, die felsige lieber haben, aber auch die, die beide Unterkunftsarten mögen. Heute mehr noch als früher nutzen dabei die Fledermäuse, die felsige Quartiere bevorzugen, menschliche Behausungen, die aus Fledermaussicht einfach auch nur höhlen- und felsartige Strukturen darstellen. Viele, aber nicht alle, unter diesen Arten sind etwas wärmeliebender und kamen daher vor langer Zeit mehr in südlichen Regionen vor, wo es meist häufiger natürliche Höhlen und ähnliche Quartiere gibt. Über die Jahrhunderte jedoch haben die Menschen Häuser gebaut, die Fledermäusen auch in nördlicheren Regionen genügend Quartiere boten. Heutzutage nehmen diese Quartiermöglichkeiten wieder ab, doch viele Fledermausarten sind nun von Lebensräumen abhängig, die vom Menschen geschaffen wurden. Häufig finden sich diese künstlichen Quartiere nicht nur in Kirchen oder anderen alten Bauwerken, sondern auch auf Dachböden oder in Kellern normaler Wohnhäuser. So kann es sogar vorkommen, dass Fledermäuse noch vor den eigentlichen Mietern in Neubauten "einziehen". Um diese Unterschlüpfe zu sichern, über Fledermäuse an Gebäuden zu informieren und mehr Wohnraum für sie zu schaffen, wurde in Schleswig Holstein die Aktion „Fledermausfreundliches Haus“ ins Leben gerufen.

Wissen:

Die Aktion wurde im Jahr 2004 vom NABU Schleswig-Holstein zusammen mit der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein gestartet. Mittlerweile gibt es das Erfolgsprojekt auch in anderen Bundesländern (z.B. Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern, hier beide vom NABU) unter dem gleichen oder ähnlichen Namen. Für all diese Projekte mit diesem Inhalt soll hier jenes aus Schleswig-Holstein als Beispiel genauer vorgestellt und zu eigenen Aktionen angeregt werden. Ziel des Projektes war (und immer noch Ziel der Aktionen 2009), Hausbewohner dazu zu animieren, bestehende Fledermausquartiere an bzw. in ihren Häusern zu erhalten oder neue Lebensräume zu schaffen. Lohn für diese Anstrengungen ist eine wetterfeste Edelstahlplakette, die gut sichtbar am Haus angebracht werden kann, sowie eine Urkunde und natürlich das Wissen, einen Anteil am Schutz dieser nützlichen Tiere zu haben. Viele Menschen wissen jedoch oft gar nicht, dass sie Fledermäuse als Untermieter haben. Dies liegt daran, dass die Tiere sehr unauffällig leben und auch nur sehr selten Schäden an der Bausubstanz hinterlassen. Sie nutzen zum Beispiel, anders als andere "Hausbewohner", nur vorhandene Hohlräume und schaffen keine neuen. Auch ihre vor allem nächtliche Lebensweise fördert, dass sie so selten bemerkt werden. Darum kann es vorkommen, dass im Zuge von Sanierungen oder Renovierungen aus Versehen Fledermausquartiere zerstört oder Zugänge versperrt werden. Dies zu verhindern und darüber aufzuklären, ist eines der Ziele im Projekt. Jedoch sollen nicht nur bereits bestehende Unterschlüpfe geschützt, sondern auch neue Quartiere und Verständnis für diese Mitbewohner geschaffen werden. Dies ist möglich, indem gekaufte oder selbst gebaute Fledermausverstecke am Haus angebracht werden. Ebenso können artgerechte Einflugmöglichkeiten wie Lüftungsziegel zu Kelleranlagen und Dachböden geschaffen werden. Vor allem bei Neu- sowie Umbau und Sanierungen kann schon fledermausfreundlich gebaut werden. Informationen direkt zum fledermausfreundlichen Bauen füllen schon heute ganze Bücher.

Aktionsidee:

Findet heraus, ob es bei euch Fledermausfreundliche Häuser gibt. Sollte es nicht euer eigenes sein, erklärt den Besitzer die Situation. Vergebt, zusammen mit uns, eine Plakette und bringt diese gut sichtbar am Haus an. Mehr Informationen dazu findet ihr auf der oben genannten Webseite.